Das
verbindet:
"ozeanisches Denken"
Bunte Mischung: die Marinekameradschaft
Hildesheim und Umgebung von 1910 mit ihren Aktionen und
Träumen
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"Ozeanisches Denken", ein weiter
Begriff. Aber nichts Geringeres verbindet die Marinekameradschaft
Hildesheim und Umgebung von 1919: Die Lust auf das Meer.
"Wer einmal auf den Planken gestanden hat, der hat
das im Herzen", sagt zum Beispiel Peter Schwitalla,
einer der jüngeren in der Runde. Immerhin schon Jahrgang
55. Acht Jahre war er bei der Bundesmarine. Aber eben ein
echter Seemann.
Was die (vorwiegend) Männer verbindet, ist nicht die
Romantik, es ist die Kameradschaft, sagt Hans-Jürgen
Lemke. Schwitalla sagt es prosaischer: "Freunde kann
man vergessen, Kameraden nie." Lemke nickt dazu. Vor
allem die Älteren sagen das, die Kriegsteilnehmer.
"Erlebnisse aus erster Hand", sagt Schwitalla.
"Helden und Mahner", sagt er noch dazu. Unterschiedliche
Geister versammeln sich bei den Treffen und Veranstaltungen,
aber einig sind sie sich am Ende immer in ihrer Liebe zur
Seefahrt. "Gegenseitiger Respekt, darauf kommt es an",
erklärt Lemke: "Auf See können kritische
Situationen kurzfristig entstehen." Wenn dann nicht
jeder zuverlässig an seinem Platz ist und anpackt,
dann geht es schief. Wahr ist es wohl wörtlich: "Wir
sitzen alle in einem Boot."
Das gilt für die Militärs wie für die Zivilen.
Überhaupt werden die Karten in der Kameradschaft neu
gemischt. "Die Bundesmarine wird kleiner", sagt
Schwitalla. Der Anteil der "Freunde der Seefahrt"
wurde auf 30 Prozent der Mitglieder erhöht. Es ist
eine bunte Mischung: Ex-Weltkriegs II-Teilnehmer, Binnenschiffer,
Kapitän auf großer Fahrt. Aber alles Männer,
fast. Die 80-jährige Elfriede Lüdecke ist eine
der Kameradinnen, eine ehemalige Marinehelferin. Weibliche
Kapitäne gibt es nicht, nur Offiziere im Rang eines
Kapitäns, zum Beispiel Ärztinnen, erläutert
Lemke.
Und wie sieht es mit dem Ruf der Seeleute aus, in jedem
Hafen ....? "Klar, das erste was man macht nach dem
Anlegen, man steuert eine Kneipe an", gibt Schwitalla
zu. Und die Uniform leistet beim Landgang guten Dienst bei
den Frauen: "Kommt ein Mariner daher, da werden die
anderen links liegen gelassen." Ist immer noch so,
nicht nur zu Zeiten Hans Albers.
Liebe, Kameradschaft, ein bisschen Abenteuerlust, dazu Ordnung,
Disziplin und Verlässlichkeit. Das sind die Markenzeichen.
Und soziales Engagement, betont Lemke. Einmal pro Jahr werden
befreundete Vertreter anderer Kameradschaften zum "Kapitänsessen"
eingeladen. Ein Benefizmahl, die Gewinne fließen "an
Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind". Mehr
als 4000 Euro bislang insgesamt.
Auch auf dem Land sind die Marinekameraden unterwegs: Besichtigungen
von Schifffahrtsmuseen, Werften, Vorträgen zur Geschichte
der Seefahrt, aber auch übe den Einsatz der Bundeswehr,
Hafenfest, Schützenumzüge, Himmelsthürer
Weihnachtsmärkte. Die Liste ist lang.
Und jetzt noch länger geworden. Die Hildesheimer Marinekameraden
haben einen Traum. Kassenwart Lemke hat einen Plan entworfen,
dass sich die Hildesheimer ihr eigenes Boot anschaffen,
bis zu 15 Meter lang soll es sein mit einem Stahlrumpf.
Platz für zehn bis 15 Passagiere, einen Liegehafen
gibt es schon in Sehnde. Hildesheim geht nicht, erklärt
Lemke, das ist ein reiner Wirtschaftshafen. Nun werden Anteilsscheine
verkauft, um auf die anvisierten 35 000 Euro zu kommen.
Angebote gibt es bereits, das Internet macht es möglich.
Träume gibt es viele. Schwitalla hat einen: Mit 52
aufhören zu arbeiten, ein Boot kaufen, ins Mittelmeer
und auf den Wogen leben. Lemke träumt auch: "Mit
Freunden einmal um die Freiheitsstatue segeln." Na
dann ahoi.
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