Marinekameradschaft Hildesheim und Umgebung von 1910
gegründet 10. Januar 1910 • wiedergegründet 4. Mai 1953

Das verbindet:
"ozeanisches Denken"

Bunte Mischung: die Marinekameradschaft Hildesheim und Umgebung von 1910 mit ihren Aktionen und Träumen


"Ozeanisches Denken", ein weiter Begriff. Aber nichts Geringeres verbindet die Marinekameradschaft Hildesheim und Umgebung von 1919: Die Lust auf das Meer. "Wer einmal auf den Planken gestanden hat, der hat das im Herzen", sagt zum Beispiel Peter Schwitalla, einer der jüngeren in der Runde. Immerhin schon Jahrgang 55. Acht Jahre war er bei der Bundesmarine. Aber eben ein echter Seemann.
Was die (vorwiegend) Männer verbindet, ist nicht die Romantik, es ist die Kameradschaft, sagt Hans-Jürgen Lemke. Schwitalla sagt es prosaischer: "Freunde kann man vergessen, Kameraden nie." Lemke nickt dazu. Vor allem die Älteren sagen das, die Kriegsteilnehmer. "Erlebnisse aus erster Hand", sagt Schwitalla. "Helden und Mahner", sagt er noch dazu. Unterschiedliche Geister versammeln sich bei den Treffen und Veranstaltungen, aber einig sind sie sich am Ende immer in ihrer Liebe zur Seefahrt. "Gegenseitiger Respekt, darauf kommt es an", erklärt Lemke: "Auf See können kritische Situationen kurzfristig entstehen." Wenn dann nicht jeder zuverlässig an seinem Platz ist und anpackt, dann geht es schief. Wahr ist es wohl wörtlich: "Wir sitzen alle in einem Boot."
Das gilt für die Militärs wie für die Zivilen. Überhaupt werden die Karten in der Kameradschaft neu gemischt. "Die Bundesmarine wird kleiner", sagt Schwitalla. Der Anteil der "Freunde der Seefahrt" wurde auf 30 Prozent der Mitglieder erhöht. Es ist eine bunte Mischung: Ex-Weltkriegs II-Teilnehmer, Binnenschiffer, Kapitän auf großer Fahrt. Aber alles Männer, fast. Die 80-jährige Elfriede Lüdecke ist eine der Kameradinnen, eine ehemalige Marinehelferin. Weibliche Kapitäne gibt es nicht, nur Offiziere im Rang eines Kapitäns, zum Beispiel Ärztinnen, erläutert Lemke.
Und wie sieht es mit dem Ruf der Seeleute aus, in jedem Hafen ....? "Klar, das erste was man macht nach dem Anlegen, man steuert eine Kneipe an", gibt Schwitalla zu. Und die Uniform leistet beim Landgang guten Dienst bei den Frauen: "Kommt ein Mariner daher, da werden die anderen links liegen gelassen." Ist immer noch so, nicht nur zu Zeiten Hans Albers.
Liebe, Kameradschaft, ein bisschen Abenteuerlust, dazu Ordnung, Disziplin und Verlässlichkeit. Das sind die Markenzeichen. Und soziales Engagement, betont Lemke. Einmal pro Jahr werden befreundete Vertreter anderer Kameradschaften zum "Kapitänsessen" eingeladen. Ein Benefizmahl, die Gewinne fließen "an Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind". Mehr als 4000 Euro bislang insgesamt.
Auch auf dem Land sind die Marinekameraden unterwegs: Besichtigungen von Schifffahrtsmuseen, Werften, Vorträgen zur Geschichte der Seefahrt, aber auch übe den Einsatz der Bundeswehr, Hafenfest, Schützenumzüge, Himmelsthürer Weihnachtsmärkte. Die Liste ist lang.
Und jetzt noch länger geworden. Die Hildesheimer Marinekameraden haben einen Traum. Kassenwart Lemke hat einen Plan entworfen, dass sich die Hildesheimer ihr eigenes Boot anschaffen, bis zu 15 Meter lang soll es sein mit einem Stahlrumpf. Platz für zehn bis 15 Passagiere, einen Liegehafen gibt es schon in Sehnde. Hildesheim geht nicht, erklärt Lemke, das ist ein reiner Wirtschaftshafen. Nun werden Anteilsscheine verkauft, um auf die anvisierten 35 000 Euro zu kommen. Angebote gibt es bereits, das Internet macht es möglich.
Träume gibt es viele. Schwitalla hat einen: Mit 52 aufhören zu arbeiten, ein Boot kaufen, ins Mittelmeer und auf den Wogen leben. Lemke träumt auch: "Mit Freunden einmal um die Freiheitsstatue segeln." Na dann ahoi.